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Vogelperspektive
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Fassade

29 - Überdachung Postautodeck Chur

Objekt:

Baujahr1990-1992
ArchitektRichard Brosi, Robert Obrist
Merkmaleimmer zugänglich
Auszeichnungen52 beste Bauten

Adresse:

Gürtelstrasse 14
7000 Chur

Öffnungszeiten:

Samstag, 25.04.

10:00 - 18:00 Uhr

Sonntag, 26.04.

10:00 - 18:00 Uhr

Barrierefreiheit:

Ja

Fotografieren:

Erlaubt

Im 19. Jahrhundert entstanden weltweit riesige Bahnhofshallen, die – als wichtige Repräsentationsbauten einer Stadt – zum Symbol und Verdichtungsraum von Modernität und Urbanität wurden. An diese Tradition knüpften die Architekten Richard Brosi (1931–2009) und Robert Obrist (1937–2018) an, als sie Mitte der Achtzigerjahre die Neugestaltung des Churer Bahnhofareals entwarfen. Ihr Vorschlag sah vor, das Gleisfeld auf einer Länge von 300 m mit einem verglasten Gewölbe von 52 m Spannweite zu überdecken, um dessen Bedeutung als Brennpunkt des öffentlichen Verkehrs und als Scharnier zwischen Alt- und Neustadt zeichenhaft zu überhöhen; flankiert von einer kommerziellen Randbebauung sollte sich der Bahnhof als neue Stadtmitte positionieren. Die Idee einer Neuordnung des Stadtgefüges in einem Wurf und das Denken im grossen Massstab erinnern an modernistische Städtebautheorien; im Kontext einer beschaulichen Alpenstadt haftet einem Vorhaben dieser Dimension leicht etwas Megalomanes an. Realisiert wurde das ambitiöse Projekt lediglich in seinem westlichsten Abschnitt, dort, wo die spektakuläre Konstruktion aus Stahl und Glas das Plateau der Postautostation überspannt. Um die intendierte Eleganz des monumentalen Bauwerks zu gewährleisten, holte man sich Ingenieure aus Grossbritannien an Bord. So kam die Bündner Kapitale zu einem Werk des berühmten Peter Rice (1935–1992) vom Londoner Büro Ove Arup & Partners, das für das Tragsystem so ikonischer Strukturen wie dem Sydney Opera House verantwortlich zeichnet. Das transparente Hallendach in Chur verfügt über ein neuartiges Stützwerk, dessen Hauptelement aus einer zitronenschnitzähnlichen Rohrbogenkonstruktion besteht, die über speichenartig angeordnete Zugbänder stabilisiert und an eingespannten Doppelstützen aufgehängt ist. Die Dachhaut aus Verbundsicherheitsglas hebt sich, statisch begründet und ästhetisch wirksam, leicht von der Tragkonstruktion ab. Im Innenraum sind die Scheinwerfer auf Wolken von runden Spiegeln gelenkt zwecks Streuung des künstlichen Lichts. So wird das Deck nachts genügend ausgeleuchtet ohne aber im Stadtbild als bengalisches Feuer zu wirken.

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Quellen:

Text: Ludmila Seifert, Bündner Heimatschutz Fotos: R. Ratti